Wie man (sich) helfen kann

Angehörige von Autisten und auch Autisten selber haben Möglichkeiten, ihr Leben mit Hilfestellungen oder Anpassungen zu verbessern. Ich habe Dir hier durch meine eigenen* Erfahrungen und durch Erfahrungen anderer Autisten sowie durch die Erfahrung von Fachleuten einige Möglichkeiten zusammengestellt.

Licht und Augen

Unterempfindlichkeit

  • Visuelle Hilfsmittel wie farbige Bilder an den Wänden
  • Bunte Farben verwenden wenn wichtige Dinge vermerkt werden müssen (Leuchtstifte, farbiges Notizpapier, etc)
  • Bunde Lampen in der Wohnung
  • Lavalampen
  • Bunte Kleidung

Überempfindlichkeit

  • Weiches Licht oder indirekte Beleuchtung*.
  • Kein fluoreszierendes Licht.
  • Grelles Licht vermeiden*.
  • Direkte Sonneneinstrahlungen vermeiden.
  • Flackernde Neonröhren vermeiden*.
  • Discolicht vermeiden*.
  • Grelle und kontrastreiche Farben vermeiden.
  • Wilde Muster vermeiden.
  • Ordnung halten*.
  • Nichts rumliegen lassen.
  • Sonnenbrille, eventuell auch eine Cap oder ein Hut*.
  • Lamellen für Fenster*.
  • Dicke Vorhänge für Fenster.
  • abdunkelnde Folien für Fenster.
  • TV schauen immer mit leichter Hintergrundbeleuchtung der Wand*.

Geräusche und Lärm

Unterempfindlichkeit

  • Bildliche Unterstützung.
  • Gebärdensprache lernen.

Überempfindlichkeit

  • Türen und Fenster schliessen*.
  • Schallschutzfenster einbauen*.
  • Teppiche anstelle von harten Böden*.
  • Einzelbüro
  • Informationen geben, wenn man zum Beispiel den Staubsauger anstellen möchte.
  • Vorbereitung bei Outdoor-Aktivitäten. Wir gehen jetzt in den Supermarkt. Wir gehen jetzt entlang der Strasse etc.
  • Kopfhörer tragen (mit Musik).*
  • Gehörschutz (Kapselgehörschutz oder Ohrstöpsel).
  • Generell Musik hören.*
  • Entlang von Wänden Regale, Teppiche oder Vorhänge platzieren. Das mindert den Schall.

Berührungen

Unterempfindlichkeit

  • Schwere und dicke Kleidung.
  • Viel Berührung.

Überempfindlichkeit

  • Keine Berührung.*
  • Keine unerwartete Berührungen.*
  • Vorgängig warnen: darf ich Dich jetzt Knuddeln?
  • Kleidermaterial verwenden, welche der Betroffene annimmt.
  • Naturnahe Waschmittel verwenden.*
  • Wäsche immer immer Tumbler trocknen, damit sie weich wird.*
  • Etiketten aus Kleidern rausschneiden.*
  • lockere Kleidung.*
  • keine Socken.*
  • keine Schuhe (Freizeit).*

Geschmack

Unterempfindlichkeit

  • mehr würzen.
  • geschmacklich intensive Nahrungsmittel verwenden.
  • pürieren (kann Geschmack verstärken).

Überempfindlichkeit

  • wenig Würzen.
  • Lebensmittel mit wenig Eigengeschmack verwenden.
  • pürieren und verdünnen.
  • Produkte mit wenig Fett.
  • Produkte mit wenig Zucker oder Säure.

Geruch

Unterempfindlichkeit

  • Achten dass man nichts Giftiges konsumiert.
  • drei Wochen nicht duschen (das ist ein Witz :-).

Überempfindlichkeit

  • unparfümierte Produkte verwenden.
  • rauchfreie Umgebung.*
  • Räume immer gut lüften.*
  • Restaurants meiden.

Darüber reden

Es lohnt sich vor allem mit Kindern über ihre Empfindungen zu sprechen. Sie sollen sagen was sie gern haben und was ihnen Probleme bereitet. Dann kann man das gemeinsame Leben besser gestalten.

Verarbeitung der äusseren Reize

Äussere Reize können bei Autisten zu ungewöhnlichen, spontanen und vielleicht auch angst machenden Reaktionen führen. Ein Autist kann einen Wutanfall (Meltdown) bekommen oder zu schreien beginnen. Er kann auch innerlich abschalten und in einen Shutdown fallen.

Solche Reaktionen erfolgen nicht grundlos. Der Betroffene kann diese Reaktionen auch nicht gross steuern oder verhindern. besonders bei Kindern ist es manchmal schwierig, die Gründe für die Reaktion herauszufinden. Erwachsene können besser mit äusseren Reizen umgehen als Kinder. Die Reaktionen können teilweise sogar angekündigt oder durch gelernte Entspannungsmöglichkeiten sogar verhindert werden.

Fachkräfte, die helfen können

  • Ergotherapeuten gestalten Programme und schaffen oft Veränderungen in der Umgebung, so dass Menschen mit sensorischen Schwierigkeiten so gut und selbstbestimmt wie möglich leben können.
  • Logopäden verwenden oft visuelle Reize, um die Sprachentwicklung und Interaktion zu ermutigen und zu unterstützen.
  • Musiktherapeuten verwenden Instrumente und Geräusche, um die Sinneswahrnehmung zu entwickeln, üblicherweise den Hörsinn.

Ruheraum

Ein Ruheraum ist ein speziell gestalteter Raum der helfen kann, die sensorischen Systeme abzumildern und ins Gleichgewicht zu bringen. Förderschulen, Behindertenwerke, Kindergärten oder Krankenhäuser haben solche Räume. Das Angebot ist aber eher begrenzt. Man kann sich auch Zuhause eine Ruhezone einrichten. Ein kleiner Raum. Oder ein durch eine kleine Wand oder durch einen Vorhang abgetrennten Bereich.

Ruheräume umfassen Dinge, welche Beruhigend sind:

  • Entspannungsmusik
  • Kuschelboden (ganz weiche Materialien)
  • spezielle, warme Lichter und Lampen
  • Wärmeflasche
  • warme Kirschstein-Säckchen
  • und ganz viel Ruhe

Rückzugsort

Ein Rückzugsort kann auch das eigene Zimmer sein. Auch dort könnte ein Ruhebereich eingerichtet werden. Auch ein Zelt draussen auf der Wiese im Garten kann interessant sein. Oder wer einen grossen Baum hat: Baumhütten sind für Kinder ideale Rückzugsorte. Ich persönliche finde Kirchen ideal für einen Rückzug. Dort ist es meistens still, düster und kühl.