Autismus in der Corona-Krise

Die COVID-19-Pandemie

Die COVID-19-Pandemie (Coronavirus) bringt zusätzliche Sorgen mit sich. In diesen beispiellosen und unsicheren Zeiten können Familien und Betreuer aber Schritte unternehmen, um Kindern und Erwachsenen, die mit emotionalen, verhaltensbezogenen und kognitiven Unterschieden leben, Sicherheit zu bieten.

Bleiben Sie ruhig

Als Eltern und Betreuer ist es wichtig, ruhig zu bleiben (oder zumindest ruhig zu handeln, auch wenn uns möglicherweise unseren eigenen Ängsten selber auch belasten).

Führen Sie ehrliche und offene Gespräche als Antwort auf die Fragen und Bedenken des betroffenen Autisten. Bieten Sie Informationen in einem altersgerechten Sinne anDie Verwendung einer Geschichte oder von Bildern kann hilfreich sein.

Gute Hygiene üben

Nutzen Sie diese Zeit als Gelegenheit, um gute Hygiene und Händewaschen zu lehren und zu stärken . Übe Ellbogenstöße anstelle von High Fives. Erinnern Sie Autisten daran, ein Taschentuch zu verwenden und ihren Mund zu bedecken, wenn sie niesen oder husten.

Strukturen

Erstellen Sie eine neue Routine mit einem Zeitplan und einer vorhersehbaren Struktur für die nächsten Wochen:

  • Wenn die Schule nicht oder nur teilweise offen ist, ist es dennoch wichtig, jeden Tag zur selben Zeit aufzuwachen und schlafen zu gehen. Es ist wichtig, dass im selben Haushalt alle mitmachen.
  • Gleichmässige Essenszeiten sind wichtig.
  • Versuchen Sie, einen schriftlichen oder visuellen Zeitplan zu erstellen. Hängen sie diesen Zeitplan an prominenter Stelle auf, so dass ihn alle Familienmitglieder immer wieder sehen können.
  • Bauen Sie eine strukturierte Lernzeit, Spielzeit und auch «ruhige» Rückzugszeit ein (eine Zeit, in der jeder in seinen eigenen Bedürfnissen und Interessen nachgehen und tun kann, was er will, ob er fernsieht oder mit einem iPad / Tablet spielt oder einfach nur ein Nickerchen machen).

Schaffen Sie ein Gefühl der Konsistenz: Obwohl eine neue Routine eingebaut wurde, nehmen Sie sich Zeit, um auf Dinge hinzuweisen, die gleich bleiben. Zum Beispiel gibt es immer noch ein Müsli zum Morgenessen. Oder sie schauen sich immer noch Ihre Lieblingssendungen an. Auch das zur selben Zeit durchgeführte Zähneputzen kann ein Gefühl der Stabilität vermitteln und die Angst verringern.

Aktivitäten

Einige der Aktivitäten, die man mit Kindern in jungen Jahren durchgeführt hat, können ebenfalls in späterem Alter Trost bringen.

  • Mache eine Autofahrt ins Grüne und packe ein Picknick ein.
  • nehme kleine Behälter (Tupperware oder Salatschüsseln) hervor. Gebe in jeden Behälter etwas anderes – Reis, Bohnen, Nudeln, Wasser. Lege dann kleine «Schätze» und ein grosser Löffel in jeden Behälter. Lasse die Kinder am Tisch damit spielen. Fordere den Autisten auf, die «Schätze» zu finden – Du kannst sogar eine Schatzkarte basteln damit man sieht, ob alle Schätze gefunden wurden. Sensorische Aktivitäten sind gut, um das Nervensystem zu beruhigen und vielen Menschen mit Autismus und besonderen Bedürfnissen ein Gefühl des Friedens zu vermitteln.
  • Baue eine Festung mit Kissen, Decken und grossen Kisten. Schöpfe Deine Fantasie aus, indem Du eine Geschichte erzählst, wo auf der Welt sich dein Schloss befindet. Lade einige Spielsachen / Kuscheltiere mit zur Party ein.
  • Spiele wie Memory können Fähigkeiten wie Nachdenken, Zählen und Befolgen von Anweisungen vermitteln. Mache das zu einem regelmässigen Familienevent.
  • Vergiss nicht klassische Spielzeuge wie Playmobil oder Lego, welche Du noch im Keller unten hast und den Betroffenen die Möglichkeit gibt, seine kreative Seite zu erkunden. Menschen mit Autismus wollen beim Lernen und Entwickeln spielen und Spass haben. Kunsthandwerk kann Menschen stundenlang unterhalten und ihnen Feinmotorik beibringen. Zum Beispiel beim herstellen von Armbändchen oder sonst etwas schönem.

Bewegung ist für die ganze Familie zu jeder Zeit wichtig für die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden, besonders aber in dieser herausfordernden Zeit, wenn man versuchet, Stress abzubauen und das Immunsystem zu stärken. Unternehme gemeinsame, kurze Spaziergänge, Vélotouren oder Rollertouren in der Nachbarschaft. Es muss nicht weit weg gehen. Man kann auch wunderbar im Quartier unterwegs sein. Spiele eine Partie Tischtennis oder Federball auf dem Garagenplatz oder irgendwo auf einem Sportplatz oder auf einer Wiese. Man kann sogar eine Familientalentshow oder einen Tanzwettbewerb veranstalten.

Offline

Lege Zeiträume ohne Bildschirm für die ganze Familie fest (ja, auch für Dich selbst!). Schalte den Fernseher aus und fahre alle Computer, iPads und Telefone für festgelegte Zeiträume herunter. Autisten spüren und fühlen sich unwohl, wenn wir selbst abgelenkt oder besorgt sind. Das Herausziehen des Netzsteckers ist eine grossartige Übung für alle. Man bekommt sofort mehr Aufmerksamkeit voneinander.

Kontakt halten

Bleibe mit Freunden, Familie und sogar Lehrern über Telefon, E-Mail, Text und FaceTime in Kontakt . Dies ist eine hervorragende Möglichkeit, diese einzigartige Situation zu normalisieren.

Regressionen

Wenn sich Autisten mit besonderen Bedürfnissen an eine neue Routine anpassen müssen oder Angst um sie herum spüren, kann dies oft wie ein Verlust an Fähigkeiten erscheinen. Kehre zu den Grundlagen der angewandten Verhaltensanalyse (ABA) zurück, z. B. zur Verwendung von „ First – Then “ -Strategien, zum Ignorieren negativer Verhaltensweisen, zum Lob positiver Verhaltensweisen und zum Durchführen Ihrer Anforderungen und Erwartungen.

Zeige den Autisten die Veränderung, die du auch bei Dir sehen willst. Übe Optimismus und Ausdauer. Zeige das Deiner Familie regelmässig. Aktualisiere regelmässig, wie Du die Situation betrachtest und erkläre es der betroffenen Person. Zum Beispiel: Vielleicht kann der Autist das Kunstprojekt beenden, über das es nachgedacht hat. Vielleicht kann die autistische Person eine eine neue Aufgabe im Haushalt übernehmen (jetzt, da die ganze Familie zu Hause ist). Du kannst dabei auch betonen, was für ein «guter Helfer» diese Person geworden ist und so dem Autisten Mut machen.

Sich selber nicht vergessen

Kümmere dich um dich selbst: In Zeiten der Unsicherheit ist das Wichtigste die Bedürfnisse der Autisten zu erkennen, jedoch auch selber ruhig zu bleiben. Wenn Du das Gefühl hast in Panik zu geraten oder überfordert bis (was völlig normal ist, übrigens!), helfe zuerst Dir selber,  bevor Du versuchst, andere zu beruhigen. Sonst überträgst Du Deine Panik an die Anderen. Es ist in Ordnung, dem Autisten zu sagen, dass er sich auch ein wenig besorgt fühlen darf, aber am Ende werden wir alles wieder on Ordnung sein.

Achtsamkeit

Biete den Betroffen an, dass sie sich zu Dir setzen dürfen, während Du tief einatmest oder ein paar Momente der Achtsamkeit hast. Lerne mit den autistischen Menschen Achtsamkeit!

Wenn Du die Herausforderung in der Familie aktiv angehst, werden Du und Deine Familie sicherer, stärker und gesünder als zuvor sein.