Autismus-Spektrum in Kürze

Menschen mit einer Störung aus dem Autismus-Spektrum nehmen ihre Umwelt anders wahr (autistische Wahrnehmung). Autismus ist keine Krankheit.

Soziale Kommunikation und Interaktion

Autistische Menschen verstehen oft nicht, was Tonlage, Gesichtsausdruck und Körperhaltung kommunizieren. Sie verstehen nicht was zwischen den Zeilen steht. Autist*innen fällt es schwer ein­zu­schätzen, was andere Menschen als nächstes tun könnten oder warum sie etwas tun.

Sprache

Manche autistischen Kinder fangen spät an zu sprechen, manche nie. Manche haben eingeschränkte sprachliche Fähigkeiten. Viele autistische Menschen sprechen normal (Asperger-Syndrom). Alle aber haben Schwierigkeiten mit den sozialen Aspekten der Kommu­ni­ka­tion. Viele Autisten können normal reden – oft haben sie sogar einen grossen Wortschatz und können sich gewählt ausdrücken. Nur die sozialen Zwischentöne in einer Unterhaltung fallen ihnen schwer. Anspielungen und subtile Sticheleien sind nicht ihre Welt.

Interessen

Autistische Menschen haben oft intensive Interessen (auch Spezialinteressen genannt) und ausgeprägte Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich. Hochintelligenz ist aber auch unter autistischen Menschen selten.

Verhalten

Manche Verhaltensweisen autistischer Menschen sind für Nichtautisten schwer nach­zu­voll­ziehen, zum Beispiel ihr Bedürfnis nach Routinen und Beständigkeit oder zum Beispiel Stereotypien, repetitive Bewegungen. Oft liegt der Grund für dieses ungewöhnliche Verhalten in der Wahrnehmungs­verarbeitung. Autisten verarbeiten Reize anders als nichtautistische Menschen. Die Schwierigkeiten autistischer Menschen sind manchmal sehr auffällig und manchmal für die Umgebung kaum wahrnehmbar. Sich in sozialen Situationen Vorteile zu verschaffen, kleine Intrigen zu planen, oder sich gut zu verkaufen – das ist für Autisten in der Regel nicht möglich. In der Schule und im Berufsleben sind sie oft Opfer von Mobbing.

Nonverbale Kommunikation

Das ist für Autisten ein Problem. Zum Beispiel Gesichtsausdrücke erkennen ist schwierig: Ist ein Lachen fröhlich, höflich oder hämisch? Blickkontakt lenkt sie eher ab, statt ihnen Informationen darüber zu geben, wie das Gesagte gemeint ist – also meiden sie ihn oft.

Ursachen

Autismus ist voraussichtlich genetisch bedingt. Autismus kann erblich weitergegeben werden.

Neurologie

Das Gehirn von Menschen im Autismusspektrum ist ein bisschen anders als bei Nichtautisten. Die Hirnforschung hat verschiedene Theorien darüber, zum Beispiel könnten die Spiegelneuronen bei autistischen Menschen anders funktionieren.

Häufigkeit

Ungefähr 1–2 Prozent der Menschen sind im Autismus-Spektrum. In der Schweiz können bis zu 160’000 Menschen betroffen sein. Nicht alle wissen, dass sie autistisch sind. Unterdiagnostiziert sind Erwachsene, Mädchen und Frauen.

Das Asperger-Syndrom ist eine Form von Autismus, die auf den ersten Blick nicht auffällt. Die Unterschiede der Autismus-Spektrum-Formen sind unterschiedlich, aber auch fliessend.

Diagnose

Autisten sind oft bis ins Erwachsenenalter nicht diagnostiziert und verstehen nicht, warum sie sich mit manchen Dingen so schwer tun. Sie gelten vielleicht als Nerds, schüchtern, sozial ungeschickt oder unhöflich. An Autismus denkt meist keiner. Für viele Menschen mit Autismus-Spektrum ist es eine Erleichterung, von ihrem Autismus zu erfahren. Endlich haben sie eine Erklärung dafür, warum sie so sind, wie sie sind.