Sensorische Probleme gehen oft mit Autismus einher. Im Jahr 2013 fügte die American Psychiatric Association den Symptomen, die bei der Diagnose von Autismus helfen, sensorische Empfindlichkeiten hinzu.

Die sensorischen Probleme des Autismus können sowohl Überempfindlichkeiten als auch Hyposensitivitäten (Unterempfindlichkeit) gegenüber einer Vielzahl von Reizen umfassen.

Dies können sein:

  • Licht, Helligkeit
  • Geräusche
  • Riechen
  • Schmecken
  • Berühren
  • Balance
  • Körperbewusstsein ( Propriozeption )

Viele Personen im Spektrum sind beispielsweise überempfindlich gegenüber hellem Licht oder bestimmten Lichtwellenlängen (z. B. von fluoreszierendem Licht). Viele finden bestimmte Geräusche, Gerüche und Geschmäcker anstrengend. Bestimmte Arten von Berührungen (leicht oder stark) können sich äusserst unangenehm anfühlen.

Dieses Video von zwei Studenten des Ringling College of Art & Design simuliert die „sensorische Überlastung“ vieler Menschen, die von Autismus betroffen sind.

Hyposensitivitäten sind ebenfalls häufig

Eine geringe Schmerzempfindlichkeit ist ein klassisches Beispiel der Hyposensitivität. Ein weiteres Beispiel ist die mangelnde Reaktion auf die eigenen Körpersignale, welche zur Kontrolle des Gleichgewichts und der körperlichen Koordination beitragen. Dies kann zu Ungeschicklichkeit führen, welches seit langem mit Autismus in Verbindung gebracht wird.

Wie kann ich jemandem mit autismusbedingten Empfindlichkeiten helfen?

Das stärken des Bewusstsein und Anpassung der Umgebung können dazu beitragen, die damit verbundenen Beschwerden zu lindern.

Denke daran, dass jede Person mit Autismus einzigartig ist. Dies schliesst deren persönliche Empfindlichkeiten ein.

Beispiele für örtliche Anpassungen, welche Überempfindlichkeiten dämpfen

  • Gedimmtes Licht
  • Glühlampen anstelle von Leuchtstofflampen
  • Sonnenbrille oder Visier zum Blockieren von fluoreszierenden Deckenbeleuchtungen
  • Ohrstöpsel oder Kopfhörer in lauten Umgebungen
  • Geschlossene Tür oder hochwandig abgeschirmte Arbeitsbereiche, um störende Bilder und Geräusche zu blockieren
  • Vermeidung stark duftender Produkte (Parfums, Lufterfrischer, aromatisierte Seifen usw.)
  • Speiseoptionen, die persönliche Abneigungen vermeiden (z. B. zu scharf, Struktur der Speisen, zu kalt, zu heiss usw.)
  • Kleidung, welche persönlichen Empfindlichkeiten Rechnung tragen (z. B. zu enge Taillen,  kratzende Stoffe, störende Nähte und Etiketten)
  • Um Erlaubnis fragen, wenn man jemanden Berühren möchte

Beispiele für örtliche Anpassungen wegen Hyposensitivitäten

  • Visuelle Unterstützung für diejenigen, die Schwierigkeiten haben, gesprochene Informationen zu verarbeiten
  • Sensorisch anregendes Spielzeug
  • Möglichkeiten zum Schaukeln, Schwingen und für andere sensorisch anregende Aktivitäten
  • Stark schmeckende und / oder strukturierte Lebensmittel, kalte Getränke usw.
  • Feste Berührung (je nach Präferenz)
  • Gewichtsdecken
  • Unterhaltsame Möglichkeiten zum Üben körperlicher Fähigkeiten (Fangen, Tanzen, Springen, Laufen usw.)
  • Möbelanordnungen, die die Wahrscheinlichkeit verringern, an scharfen oder harten Oberflächen anzustossen

Welche Therapien können bei sensorischen Problemen helfen?

  • Die Ergotherapie nutzt körperliche Aktivitäten und Strategien der Person zu helfen, ihre sensorischen Bedürfnisse zu erfüllen und sensorische Eingaben in alltäglichen Umgebungen besser verarbeiten zu können.
  • Autismus-Essprogramme können Abneigungen gegen Geschmäcker und Lebensmittelstrukturen sowie Unter- und Überempfindlichkeiten beseitigen, welche das Kauen und Schlucken behindern können.
  • Die Sprachtherapie kann sowohl sensitivitätsreduzierende als auch sensorisch stimulierende Aktivitäten umfassen, welche das Sprechen, Schlucken und damit verbundene Muskelbewegungen verbessern.
  • Kognitive Verhaltenstherapie kann dazu beitragen, die Toleranz gegenüber starken Sinneserfahrungen schrittweise zu erhöhen.