Therapiemöglichkeiten

Die Behandlungsoptionen reichen von psychotherapeutischen über psychosoziale bis hin zu psychopharmakologischen Therapiemassnahmen. Da bisher die Ursachen der Erkrankung noch nicht endgültig aufgeklart sind, ist auch noch keine Therapie verfügbar, sodass nur symptomorientierte Behandlungen vorgenommen werden, die aber sehr wirkungsvoll sein können.

Unrealistische Therapie-Erwartungen

Es muss aber deutlich darauf hingewiesen werden, unrealistische Erwartungen an eine Therapie zu stellen. Man muss sich vor Augen führen, dass autistische Menschen mit ihren Eigenschaften und Merkmalen vermutlich zur Welt kommen und bereits seit Jahrzehnten auch so leben, bis sie im Erwachsenenalter zum ersten Mal diagnostiziert und eventuell auch behandelt werden.

Niemand wird die Erwartung haben, dass sich diese autistischen Eigenschaften komplett «reparieren» lassen. Es geht mit einer Therapie nicht darum, autistische Menschen anzupassen oder salonfähig zu machen, sondern den Betroffenen das Leben etwas zu erleichtern.

Das wichtigste Ziel ist eine Erweiterung des Verhaltensrepertoires anzustreben und zu erreichen. Der autistische Mensch soll also nicht verändert werden, sondern es sollen dort Kompetenzen vermittelt werden, wo der Betroffene seine Schwierigkeiten hat. Alle autistische Menschen haben auch viele positive Eigenschaften, die eng mit deren autistischen Zügen zu tun haben. Die will man natürlich beibehalten.

Radio SRF 4 – Tagesgespräch – ein hochintelligenter Autist

Was man machen kann

Sich selber kennenlernen

Der wichtigste Punkt ist, sich selber kennen- und vor allem auch schätzen und lieben zu lernen. Nur wer mit seinen Eigenschaften ins Reine kommt, wird zu einer lebenswerten Situation finden. Autisten neigen gerne auch mal zu suizidalen Gedanken. Daher ist es wichtig, das Selbstwertgefühl zu steigern. Und dies gelingt am besten, wenn sich der Betroffene intensiv mit sich selber beschäftigt. Sobald man zu sich selber stehen kann, wird man es einfacher im Leben haben. Das bedeutet natürlich nicht, dass das immer so bleiben wird. Man muss immer wieder an diesem Bereich arbeiten. Das Erstaunlich und zugleich Schöne daran ist auch, dass man immer wieder eine positive Komponenten des eigenen Ichs entdecken wird.

Stressabbau

Das wohl grösste und am meisten unterschätzte Problem eines AS ist der Stress. Das mag vielleicht etwas komisch anmuten, doch Autisten sind sehr schnell durch äussere Einflüsse überlastet. Daher kann das Erlernen einer guten Stressbewältigung positive Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden haben.

Soziale Kompetenzen stärken

Kritiken akzeptieren zu können, ist eine nicht sehr einfache Sache für den Autismus-Spektrum-Betroffenen. Weil man anders ist, ist man häufiger einer Kritik ausgesetzt. Daraus entwickeln sich gerne grössere Konflikte. Eine Strategie kann hierbei sehr gut helfen. Man sollte sich die wichtigsten Kritikpunkte aufschreiben und dann passende Antworten ausdenken, so dass man einer Kritik nicht auf schnippische Art, sondern auf verständnisvolle Art begegnen kann. Als Autist muss man bei den Mitmenschen das Verständnis fördern. Nur wenn «typisch wahrnehmende» Menschen ein Verständnis entwickeln können, werden sie dem AS auch entsprechend begegnen können. Die Reaktionen müssen aber sachlich und nicht emotional sein.

Der Punkt soziale Kompetenzen sind auch sehr eng mit dem sich selber Kennenlernen verbunden. Nur wer sich selber und auch seine Grenzen kennt, wird an der sozialen Kompetenz arbeiten können.

Interaktion mit Menschen

Obschon sich viele Autisten alleine am wohlsten fühlen, ist die Interaktion mit anderen Menschen wichtig. Denn der Wunsch nach Freundschaften oder Partnerschaften ist auch bei AS vorhanden. An diesen Kompetenzen zu arbeiten, ist aber nicht so einfach. Damit man gut interagieren kann, muss man sich etwas in die andere Person einfühlen können. Hier kommt der Betroffene AS schnell an seine Grenzen.

Depressionen

Die Depression ist ein Thema, welches ein AS immer mal wieder beschäftigen kann. Diesbezüglich gibt es viele Angebote im psychiatrischen Bereich. Wenn immer möglich sollte man es aber nicht dazu kommen lassen. Daher sind die Punkte «sich selber kennenlernen« und Umgang mit Stress besonders wichtig. Hat man diese beiden Punkte im Griff, wird man auch einen Bogen um schwere Depressionen machen können.

Angstzustände

Angstzustände können ebenfalls eine Begleiterscheinung des Autismus-Spektrums sein. Das «sich selber kennenlernen« ist hier besonders wichtig. Wer sich und seine Ängste kennt muss weniger Ängste leiden.

Motivation für eine Behandlung

Die Motivation sich einer Behandlung zu unterziehen, ist nicht bei allen Betroffenen gegeben. Die leichteren Fälle kommen bereits gut zurecht. Viele stärkere Fälle würden jedoch eine therapeutische Unterstützung begrüssen. Daher wäre es notwenig, wenn es in der Schweiz genügen therapeutische Angebote geben würde. Allerdings ist man diesbezüglich noch weit entfernt. Nur schon für eine Diagnose muss man teilweise monatelang warten. Wenn man davon ausgeht, dass 0,5% aller Schweizer*Innen unter dem Autismus-Spektrum leiden, sind das 35’000 Menschen. Es ist also davon auszugehen, dass viele Menschen mit Autismus-Spektrum nicht die notwendigen Unterstützungsangebote zur Verfügung haben. Dies betrifft weniger die Kinder, sondern eher Erwachsene.

Wie eine Behandlung aussehen kann

Da jede zu behandelnde Person unterschiedlich ist, kann man nicht von DER Behandlung sprechen. Eine Behandlung muss auf die Person abgestimmt sein. Idealerweise wird für den AS eine Gruppentherapie angestrebt. Autismus-Spektrum-Autisten haben massgeblich Schwierigkeiten in sozialer Interaktion. Wo könnte man dieses Problem besser angehen als in der Gruppe? Unter «Gleichgesinnten» ist es auch einfacher. Erstens ist man unter sich. Die Anzahl Personen ist übersichtlich. Man lernt sich schneller kennen. Niemand muss sich schämen. Im Gruppengespräch merkt der Autist, dass er nicht alleine ist. Zudem können mehrere AS zur selben Zeit auf einen Spezialisten verteilt werden. Es sind darum regelmässigere Therapiemöglichkeiten vorhanden.

Natürlich sind auch Einzeltherapien möglich. Bei der Einzeltherapie kann noch etwas vertiefter auf die Person eingegangen werden. Man sollte eine Einzeltherapie dann anwenden, wenn man im Gruppenbereich die, für den Einzelnen notwendigen Ziele, nicht mehr erreichen kann. Einzeltherapien sind auch dann von Vorteil, wenn es um Depressionen geht. Hierzu ist das intime Gespräch mit dem Spezialisten von Vorteil.