Fünf Wohnungen und ein Kamin

Ich wohne in einem Haus mit 5 Wohnungen und bewohne alleine die oberste Wohnung. Nur eine der 5 Wohnung verfügt über einen eigenen Kamin (Wohnung unter mir). Ich selber habe keinen Kamin, was mich auch nicht stört. Kamine produzieren Russ und belasten die Lunge. Kamine produzieren CO2 und verpesten die Aussenluft. Kamine stinken und haben in der Regel keine Filteranlage. Kamine sind nicht mein Ding.

Damit ich den Zusammenhang mit dem Kamin verdeutlichen kann, muss ich nun einen kleinen Ausflug zur Grünabfuhr machen…

Bioabfälle

Für unser Haus haben wir einen kleinen, fahrbaren Container, in welchen wir unsere Bioabfälle (Grünabfuhr) entsorgen können. Mit Bioabfällen sind zum Beispiel die Schalen meiner geliebten Karotten gemeint. Oder das Kerngehäuse eines Apfels oder was auch immer. Dieses Material wird dann einmal in der Woche durch die Grünabfuhr mitgenommen. Die bringen die Bioabfälle an einen speziellen Ort zum kompostierten. Daraus wird dann wieder beste Erde. Diese Erde kann man dann zum Beispiel beim Grossverteiler für teures Geld einkaufen und für Bepflanzungen von Blumenkisten und vielem mehr brauchen.

Asche und Kompost

Bioabfälle zur Kompostierung mitzugeben ist also viel besser, als sie in den Hausmüll zu werfen, welcher dann verbrannt wird. Soweit so gut. Was man aber nicht machen darf: Asche in die Grünabfuhr geben! Asche darf nicht auf diese Weise entsorgt werden. Und das hat einen guten Grund! Bäume können Stoffe aus der Luft und dem Boden aufnehmen und anreichern. Deshalb enthält Holz oft Schadstoffe in Form von Schwermetallen, deren Konzentration je nach Baumart und Standort schwankt. Zudem entstehen bei einer unvollständigen Verbrennung organische Schadstoffe. Diese sowie alle nicht brennbaren Bestandteile des Holzes bleiben nach der Verbrennung aufkonzentriert in der Asche zurück. Neben Mineralstoffen wie Kalium oder Phosphor sind dies eben auch Schwermetalle (Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer etc.) und verschiedene organische Schadstoffe (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Dioxine oder Furane), die teils giftig und/oder krebserregend sind. Aschen von jeglichem Holz sind daher Abfall!

Das Entsorgen von Holzasche mit der Grünabfuhr ist somit problematisch und kann zu Beeinträchtigungen von Böden und Gewässern führen. Darum ist Asche dem Hauskehricht mitzugeben. So steht es auch auf dem Merkblatt der Gemeindeverwaltung, welches jedes Jahr an alle Haushalte verteilt wird. Wie mir scheint in ich der Einzige im Haus, welcher solches liest.

Das Verdikt

Als ich das letzte Mal den Container der Grünabfuhr öffnete um meine Karottenschalen reinzuwerfen, entdeckte ich darin einen Aschehaufen. Mir war sofort klar, dass das falsch war. Doch was konnte ich nun tun? Die Asche aus dem Container zu klauben war nicht möglich. Sie hatte sich bereits im ganzen Innenraum verteilt. Also gab es da nichts mehr zu retten. Doch ich konnte wenigstens eine weitere Kontaminierung des Kübels durch Asche verhindern, indem ich die Verursacher darauf aufmerksam mache, dass sie das bitte unterlassen würden. Denn im schlimmsten Fall würde sich die Grünabfuhr weigern, den Kübel künftig zu leeren.

In Verdacht hatte ich natürlich sofort die Besitzer der Wohnung mit dem Kamin.

Ich hatte nun drei Möglichkeiten:

  • nichts unternehmen
  • bei den Kamin-Besitzern klingeln und mit den Leuten darüber sprechen und sie darum bitten, die Asche künftig im Kehricht zu entsorgen
  • ein Informationsblatt an das Info-Board im Treppenhaus hängen und allgemein darum bitten, keine Asche im Kehricht zu entsorgen

Ich kann nicht nichts tun

Nichts unternehmen war definitiv keine Lösung. Mir ist es wichtig, dass man sich an Regeln hält und die Natur schützt und achtet. Ich habe zudem einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Wenn ich irgendwo Unrecht sehe, muss ich einschreiten. Das hat mich schon des öfteren in heikle Situationen gebracht. Aber ich kann einfach nicht anders. Ich muss der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen.

An der Haustüre zu klingeln und das Problem ansprechen wäre wohl die beste Lösung gewesen. Neurotypische hätten es sicher so gemacht. Man redet und diskutiert miteinander. Mir ist das aber nicht möglich. Ich würde mich wohl auf der Türschwelle vor Aufregung und Stress sogleich übergeben.

Das Informationsblatt

Darum blieb mir nur das Informationsblatt. Ein solches Informationsblatt hat aber auch einen grossen Vorteil: jeder kann es lesen und jeder lernt etwas dazu, auch wenn man nichts damit zu tun hat. Wissen ist Macht und muss darum gefördert werden. Also verfasste ich  in grossen Lettern geschrieben ein A4-Blatt mit der Bitte, dass man Asche im Hauskehricht entsorgen möchte und nicht im Grüncontainer. Damit es auch einen offiziellen Charakter hatte, kopierte ich auf das selbe Blatt auch einen Ausschnitt der Bestimmungen der Gemeinde.

Ich habe eine Seele verletzt

Die besagte Damen hat den Zettel wohl gelesen. Und sie hat reagiert, indem sie sich beim Hauswart beschwerte, weil man ihr eine solches Vergehen doch bitte persönlich sagen solle. Der Hauswart war natürlich der falsche Adressat dieser Reklamation. Es war ja mein Informationszettel.

Er reagiert, wenn er Fehler entdeckt

Der Hauswart sagte dann zu meiner Nachbarin: „Ihr Nachbar ist ein Gerechtigkeitsfanatiker. Wenn er etwas sieht was nicht korrekt ist, reagiert er“. Der Hauswart wusste sehr gut wie ich funktioniere, weil er auch mein Vater ist.

Im Gegensatz zu mir jedoch er bei solchen Kleinigkeiten gelegentlich weg. Leben und Leben lasse, ist seine Devise. Darum hat er selber nichts unternommen. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass auch meine Vater des öfteren Opfer meines Gerechtigkeitssinns wurde. Ich mache da keine Ausnahmen, egal um wen es sich handelt.

Fazit:

  • ich muss lernen, auch mal etwas durchgehen zu lassen (das wird schwer…)
  • ich kann mein Wissen nicht mit jenem anderer Menschen vergleichen
  • im Haus werde ich wohl nicht beliebter werden
  • ich bin trotzdem froh auch hier etwas unternommen zu haben. Die Natur wird es mir danken
  • vielleicht hat diese Frau etwas dazugelernt

 

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