Blick zur Wissenschaft

Verändert sich Autismus im Verlauf des Lebens?

  • 15. Oktober 2019

Wenn man Menschen gegenüber Autismus erwähnt, denken diese meisten an Kinder. Doch aus Kindern werden Erwachsene. Und da Autismus nicht heilbar ist, sind Autisten im Erwachsenenalter weiterhin betroffen. Doch wie wirkt sich Autismus bei älteren Personen im Vergleich zur Kindheit aus? Bleibt alles gleich oder verändert sich Autismus?

Wenig Erfahrungen

Über Veränderung der Symptome mit zunehmendem Alter ist wenig bekannt. Autismus ist eine relativ neue Erkenntnis, die erstmals 1943 beschrieben und erst in den 1970er Jahren regelmässig festgestellt wurde. Autismus-Spektrum sogar erst in den 1990er Jahren. In der Zwischenzeit sind viele Autisten älter geworden.

Das Autism Diagnostic Research Centre in Southampton hat zwischen 2008 und 2015 genau 146 Erwachsene untersucht. Die Menschen waren zwischen 18 und 74 Jahre alt. Bei hundert dieser Erwachsenen wurde Autismus diagnostiziert. Die Analyse ergab, dass Alter und Schweregrad des Autismus zusammenhängen. Das bedeutet, mit zunehmendem Alter nahm auch die Schwere der Autismus-Symptome in sozialen Situationen, der Kommunikation und dem flexiblen Denken zu (z. B. Bewältigung von Veränderungen oder Generierung neuer Ideen oder Lösungen).

Mehr Depressionen

Ältere Autisten leiden gemäss Studie weitaus häufiger unter Depressionen oder Angstzuständen als jüngere Autisten. Depressionen bei älteren Erwachsenen sind ein Risikofaktor für die Entwicklung von Gedächtnis-Problemen. Angesichts der hohen Rate an Depressionen bei Menschen mit Autismus kann es für Ärzte wichtig sein, die Stimmung während des Alterns zu überwachen, um sicherzustellen, dass kein Risiko für einen kognitiven Rückgang besteht.

Die älteren Erwachsenengruppe mit Autismus zeigten in der Studie eher schwerere Symptome. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Symptome von Autismus mit zunehmendem Alter stärker werden.

Das Gehirn

Das Hirn ist in alle Bereiche miteinander oder zueinander verdrahtet. Auf Computertomographen ist ersichtlich, dass die Gehirne von Autisten anders funktionieren. Ich stelle mir das so vor, dass Gehirnbereiche anders verdrahtet sind oder Informationen andere Wege nutzen. Vielleicht sind auch die Sinnesorgane anders angekoppelt. Das müsste man mal einen Neurowissenschaftler fragen. Der weis das sicher besser.

Ich selber habe aber auch schon gelesen, dass sich solche Verbindungen im Hirn verändern können. Bei schweren Kopfverletzungen können sich wegen gewisser Defekte im Hirn alternative Verbindungen neu bilden. Vielleicht geschieht das ja auch im Verlauf des Älterwerdens? Es heisst ja auch immer, dass sich ältere Menschen mit dem Training des Gehirnes befassen sollen. Also muss ja irgend etwas in unserem Speicher- und Denksystem passieren. Darum würde ich die Aussage, dass Autismus immer gleich stark ausgeprägt ist, in Frage stellen.

Ein Blick auf mich

Ob sich Autismus mit der Zeit verändert, kann ich persönlich nicht sagen. Ich bin mir aber sicher, dass sich Menschen mit der Zeit verändern. Bei mir ist es jedenfalls so. Das älter werden hat physische sowie auch psychische Einflüsse. Ich bin etwas weniger leistungsfähig und benötige mehr Ruhezeiten und Zeit für mich selber. Ich bleibe vermehrt Zuhause und geniesse meine kleine Wohnung. Denn dort fühle ich mich am wohlsten und hab meine Ruhe. Ich kann Zuhause mein Tempo gehen und mich in ruhiger und angenehmer Atmosphäre meinen Interessen widmen.

Wenn ich auf die speziellen Eigenschaften meiner Symptome eingehe, sehe ich vor allem im Bereich der Sensibilität der äusseren Reize mehr Probleme als früher. Ich bin klar noch anfälliger für Lärm und grelles Licht geworden. Ich gebe mir auch weniger Mühe beim Versuch, Blickkontakt herzustellen, Mimiken zu erkennen oder Smalltalk zu führen. Und wie oben beschrieben bin auch ich vermutlich etwas anfälliger für depressive Einflüsse geworden. Dennoch – ob das ein stärker werden des Autismus bedeutet, mag ich zu bezweifeln. Vermutlich kann ich einfach wegen des Älterwerdens weniger gut mit gewissen Spektren umgehen.

Auf der anderen Seite geht es aber oftmals auch leichter als früher. Vielleicht weil ich gelassener wurde und mich besser kenne und akzeptiere? Zudem – in fünfzig Lebensjahren hat man ja auch gelernt, mit gewissen Dingen umzugehen und sich (natürlich eher widerwillig) etwas an das neurotypische Leben anzupassen. Ich möchte natürlich schon lieber so sein, wie ich bin und mich nicht verstellen müssen. Aber ganz von der Menschheit abkapseln wäre auch nicht gut. Darum versuche ich einen Weg zu gehen, welcher irgendwie passt. Und ich denke das klappt in der Zwischenzeit auch recht gut.

Und der Job?

Beruflich habe ich nichts zu klagen. Ich habe eine Arbeit gefunden, welche mir gefällt. Und auch mit den Arbeitskollegen geht es recht gut. Aus meiner Sicht gesehen. Wie die Arbeitskollegen mich erleben und ob sie mit mir ein Problem haben, kann ich nicht beurteilen. Allerdings stehen bei uns Reorganisationen an. Teams werden neu zusammengestellt. Die Funktionen der Mitarbeiter nach bedarf angepasst. Es wurde auch klar kommuniziert, dass es genug Arbeit für alle habe. Somit muss auch angst haben, dass er nirgends hineinpassen wird. Ich hoffe sehr, dass sich für mich nicht sehr viel verändern wird und ich weiterhin Arbeiten verrichten darf, die mir liegen. Zudem hoffe ich, dass wir endlich mehr Freiheiten für Homeoffice bekommen. Das hätte speziell für mich positive Auswirkungen.

Fazit

Wie bereits weiter oben geschrieben kann ich mir persönlich nicht vorstellen, dass die autistische Ausprägung während eines Menschenlebens gleichbleibend ist. Das währe irgendwie unlogisch. Der Mensch selber verändert sich ja auch.