Meine Erfahrungen

Wenn Autisten einkaufen

Einkaufen kann für von Autismus und ähnlichen Entwicklungsstörungen betroffene Kinder und Erwachsen wegen der konstanten Reizüberflutung, die sie nicht oder nur sehr schwer verarbeiten können, zu einem Horrortrip werden. In nachfolgendem Video könnt ihr mal sehen, was Reizüberflutung bedeutet:

Zu Laut und zu hell

Ich persönlich habe «nur» leichten Autismus. Dennoch fühle auch mich beim Einkaufen immer sehr unwohl. Grelle, reflektierende Neonröhren, brüllende Babys, herumrennende Schulkinder, Hintergrundmusik, Gelächter und Gespräche, schallende Durchsagen, das Geräusch von Pappkartons, die beim Auffüllen der Regale aufgerissen werden, das Dingeling und Gepiepse an der Kasse und die extreme Nervosität der Menschen – es ist manchmal kaum zum Aushalten. Es gab Einkäufe, welche ich auch schon abbrechen musste. Grosse Einkaufscenter wie zum Beispiel das Shoppingcenter ins Spreitenbach meide ich generell.

Randzeiten

Ich versuche dem Problem zu entkommen, indem ich meistens an Randzeiten zum Einkaufen gehen. So kann ich wenigstens etwas dem Lärm und der Hektik entkommen. Doch befriedigend ist es nicht. Per Zufall habe ich einen Bericht aus Neuseeland gesehen, in welchem eine Einkaufsgruppe zugunsten von Autisten die stille Stunde eingeführt hat. Wenn es doch so etwas nur auch in der Schweiz geben würde. In anderen Ländern wie zum Beispiel Kanada und Holland wurde diese Strategie bereits von anderen Warenhausketten übernommen. Wer mich kennt weiss, dass mich solche gute Ideen nicht mehr loslassen. Warum bin ich bloss selber nicht darauf gekommen, einfach mal bei einem Warenhaus anzufragen?

Idee aufgegriffen

Darum habe ich diese Idee aufgegriffen und bei der Migros eine Anfrage gemacht, ob das in der Schweiz (vor allem aber in meiner Wohngemeinde) auch möglich wäre.

Die Migros hat die Anfrage entgegengenommen und klärt nun ab, ob sie ebenfalls eine ruhige Stunde einführen könnten. Denn auch Neurotypische würden ruhigeres Einkaufen begrüssen, wie die Umfrage im Video oben zeigen. Vielleicht müssten sich die Einkaufsläden generell Gedanken dazu machen, ob ihre aktuelle Strategie wirklich gut ist. Sobald ich eine Antwort von Migros bekomme, werde ich dies hier kundtun.

Übrigens: Knapp 1% der Schweizer Bevölkerung sind Autisten. Bei 8 Millionen Einwohnern sind das 80’000 potentielle Kund*innen.