Kontakt mit Psychiatrischem Dienst

Nach meiner eigenen Vermutung und äusserst umfangreichem Studium nahm ich Kontakt mit dem psychiatrischen Dienst in meinem Wohnkanton auf. Ich schilderte dem ASS-Spezialisten meinen Verdacht. Er schrieb mir folgendes zurück:

Erfahrungsgemäss kann eine Abklärung Sinn machen in jedem Alter. Die Frage, die man sich stellen muss, ist was man ggf. mit einer Diagnose machen würde. Sobald dies mit einem Plan beantwortet werden kann (bessere soziale Fähigkeiten durch Training etc.) würde ich Ihnen die Abklärung empfehlen.

Ich habe mir daraufhin nochmals Gedanken dazu gemacht, was eine Diagnose bedeuten würde und was ich daraus machen könnte. Ich erstelle immer Pro- und Kontra-Listen, wenn ich eine weitreichende Entscheidung treffen muss. Danach habe ich mir überlegt, was ich aus einer möglichen Diagnose machen würde. Ich denke es würde sicher Sinn machen, meine sozialen Fähigkeiten zu trainieren. Und ich würde es begrüssen auf diesem Weg auch Gleichgesinnte zu finden. Vielleicht komme ich ja auf diesem Weg zu mehr sozialen Kontakten und zu Menschen, die mich verstehen und akzeptieren. Darum entschied ich, dass ich diesen Weg gehen wollte. Zudem wäre es befreiend eine Antwort zu bekommen.

Beim Hausarzt

Bei meinem letzten Besuch bei meinem Hausarzt habe ich meine Vermutung und meinen kleinen E-Mail-Dialog mit dem Spezialisten des psychiatrischen Dienstes angesprochen. Ich habe Papiere mitgebracht. Fakten. Pros und Kontras sowie den schriftlichen E-Mailverkehr mit dem PD. Ich habe aber auch deutlich gesagt, dass ich mich vielleicht auch irren könne und ich mich in etwas verrannt habe und mir nun etwas einrede, was vielleicht doch nicht so ist.

Mein Hausarzt bestätigte aber meine Vermutung. Er erklärte auch, dass Autismus nicht sein Fachgebiet wäre, er aber schon andere Patienten wegen einer autistischen Abklärung bei sich hatte. Oftmals wären das Eltern denen es nur darum ginge, dass ihr Kinde zu wenig Leistung in der Schule erziele. Diese Eltern denken oftmals, dass es an Autismus liegen müsse und weniger daran, dass das Kind vielleicht einfach nicht leistungsfähiger ist. Bei mir sehe der Fall aber anders aus, da ich mich selber damit beschäftigt hätte und man so etwas nicht tut, wenn man nicht wirklich einen eigenen Verdacht hat.

Er meinte auch, das die Forschung in der Psychologie immer noch viele offene Fragen aufweist. Zudem geniesst Psychologie immer noch einen eher schlechten Ruf, weil dieser Medizinbereich schwer fassbar sei und psychische Probleme in der Gesellschaft leider immer noch wenig Verständnis und Akzeptanz bekommen.

Auf alle Fälle unterstütze er meine Vermutung und meldete mich bei entsprechender Stelle zur weiteren Abklärung an.

Post vom Psychiatrischen Dienst

4 Tage später erhielt ich Post vom Psychologischen Dienst. Ein dickes Couvert mit ganz viel Papier darin. Auch eine Einladung zum Erscheinen beim PD war mit dabei. In genau drei Wochen soll das Erstgespräch stattfinden! Ich habe oft gelesen, dass es mehrere Monate dauern kann, bis man aufgeboten wird. Das es so schnell geht, hat mich schon etwas überrascht.

Im Couvert waren auch noch einige Tests dabei, welche ich vorgängig auszufüllen hatte.

  • AQ-Test (50 Fragen)
  • Cambridge Behaviour Scale (60 Fragen)
  • MBAS (von Mutter auszufüllen, 57 Fragen)
  • Revised Cambridge Personality Questionnaire (78 Fragen)
  • Campridge Freundschafts-Fragebogen (35 Fragen)
  • Social Stories Questionnaire (Campridge, 10 Geschichten)

Diese Formulare musste ich per Post einschicken. Diese werden dann wohl ausgewertet und ggf. bei meinem Besuch besprochen. Was an meinem kommenden Termin genau geschieht, entzieht sich meinen Kenntnissen. Dazu später mehr.

Das anstehende Erstgespräch

Ich warte nun gespannt auf den Termin. Ich habe gemischte Gefühle. Die Ungewissheit was kommen wird verursachen bei mir viele Gedanken. Ich mag keine Dinge, auf die ich mich nicht vorbereiten kann. Vielleicht bekomme ich ja vor diesem Termin noch weitere Informationen. Vielleicht wird der Termin ja auch noch abgesagt, wenn sich anhand der Tests herausstellt, dass ich aus derer Sicht kaum autistisch sein kann.

Was ich daraus ziehen könnte

Sollte ich eine «positive» Diagnose erhalten, würde sich mein Verdacht bestätigen. Dann hätte ich immerhin eine Antwort warum ich so bin, wie ich bin. Und ich hätte wohl die Möglichkeit, auf mich zugeschnittene Trainings absolvieren zu können, damit ich meine sozialen Schwächen verbessern kann. Vielleicht würden sich dann auch vertrauensvolle Gesprächspartner herauskristallisieren, welche ich aktuell (ausnahme Eltern) sonst nicht habe.

Sollte ich eine «negative» Diagnose erhalten, würden wohl mehr offene als geklärte Fragen übrig bleiben. Ich müsste wohl auch meine Vermutung neu überdenken. Denn so wie ich bin, sind die meisten Menschen die ich kenne, nicht. Es gilt dann wohl zu beurteilen, ob weitere Abklärung in anderer Richtung notwendig wären.

1 Antwort

  1. 24. Januar 2020

    […] Aussagen sind leider nicht sehr ermutigend. Menschen welche nicht bis zum Alter von 5 Jahren eine Diagnose bekommen haben (und das sind nicht wenige), werden komplett alleine gelassen. Als ich 5 Jahre jung […]

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